
Mit Hightech gegen den Mähtod: Erster Drohnenkurs für Jäger
Es sind Bilder, die man so schnell nicht mehr vergisst: Rehkitze, die beim Mähen von grossen Landmaschinen erfasst und grausam getötet werden. Obwohl Jäger und Bauern grosse Anstrengungen unternehmen und ganze Wiesen mit Jagdhunden oder in Menschenketten absuchen, sterben in der Schweiz jährlich noch immer tausende Rehkitze bei der Grasernte.
Die Stiftung Wildtiere Aargau will dem Missstand mit moderner Technik begegnen und hat in Zusammenarbeit mit dem Verein Rehkitzrettung Schweiz drei Drohnen mit Wärmebildkameras und Überwachungsmonitoren beschafft. Andreas Hofstetter ist als Projektleiter in der Stiftung dafür besorgt, die neue Technologie möglichst vielen Jägern im Kanton näherzubringen.
Wichtige Öffentlichkeitsarbeit
Heute gebe es immer mehr Drohnenpiloten, die in ihrem Hobby einen Sinn suchen und sich an der Rehkitzrettung versuchen, erklärt Hofstetter und fügt an: «Wir Jäger retten Jungtiere seit Jahrzehnten und wollen nicht, dass andere diese Arbeit für uns machen.»
Schliesslich gehe es dabei auch um Öffentlichkeitsarbeit. «Wir wollen zeigen, dass Jäger nicht nur mit dem Gewehr unterwegs sind. Darum ist es wichtig, dass sich immer mehr von uns mit der neuen Technologie auseinandersetzen und davon profitieren.»
Am Samstag hat die Stiftung nun erstmals eine Drohnenschulung für Jäger im Aargau durchgeführt. 13 Weidmänner sind der Einladung nach Staufen gefolgt um zu lernen, wie man eine Drohne fliegt, die Wärmebildkamera bedient und automatische Suchflüge über zu mähende Wiesen erstellt.
Einer der Kursteilnehmer ist Kurt Willborn vom Revier 55 (Sarmenstorf). Der Freiämter Jäger erzählt: «Wir holen jedes Jahr Wildtiere aus den Wiesen, da ist man oft einige Stunden unterwegs.» Er ist von der besseren Effizienz und Schnelligkeit der Drohnenrettung überzeugt und hat sich darum für den Kurs angemeldet. «Man muss am Ball bleiben», ist er überzeugt.
Geleitet wurde der Kurs von Thomas Röthlisberger und Emanuel Kipfer von Rehkitzrettung Schweiz. Der gemeinnützige Verein verkauft die selbst entwickelten Wärmebildsysteme, die an handelsüblichen Drohnen befestigt werden können, zu erschwinglichen Preisen. Die Kurse werden kostenlos angeboten.
Thomas Röthlisberger, der schon als Kind schmerzliche Erfahrungen mit getöteten Rehkitzen gemacht hat, erklärt: «Das ist ein Thema, wo man hinschauen muss. Wir versuchen, das Know-how zu verbreiten um das Leid der Tiere zu mindern.» Projektleiter Andreas Hofstetter bringt es schliesslich auf den Punkt: «Das sind grossartige Leute, die das aus vollem Herzen tun.»
Grosses Geschick beim Testflug
Nach dem theoretischen Teil des Kurses, bei dem die Jäger über die Inbetriebnahme und Wartung der Drohnen sowie über gesetzliche Bestimmungen aufgeklärt wurden, ging es auf dem nahen Fussballplatz ans Eingemachte. Es folgte der Praxistest.
Beim ersten Testflug bewiesen die Aargauer Jäger bereits grosses Geschick. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase waren alle Kursteilnehmer mühelos in der Lage, den «Multikopter» über den abgesteckten Parcours surren zu lassen, die Kamera zu bedienen und die Drohne anschliessend wieder sanft auf der Markierung zu landen.
Für ihren motivierten Einsatz am Kurstag entschädigt werden die Aargauer Jäger spätestens dann, wenn sie mit ihrer Drohne das erste Rehkitz im Gras entdecken – und sich freuen dürfen, das junge Wildtier vor dem sicheren Mähtod bewahrt zu haben.
Nächste Infoanlässe zum Thema Rehkitzrettung mit Drohne:
- Dienstag, 9. April im Meschler-Saal in Susten. Weitere Informationen unter www.pfyn-finges.ch.
- Samstag, 13. April im Naturpark Gantrisch in Schwarzenburg. Weitere Informationen unter www.gantrisch.ch.